Erneuerbare Energien: Britische Forscher testen das „Smart Grid“

Smarte Technologien kommen nicht ausschließlich im privaten Wohnumfeld zum Einsatz. Auch öffentliche Infrastruktur kann von der intelligenten Technik profitieren. Das zeigten jetzt Forscher aus Großbritannien, die Lösungen für den Weg zur Stromerzeugung der Zukunft suchten.

 

Britische Forscher testen das „Smart Grid“

Britische Forscher testen das „Smart Grid“

 

Intelligentes Stromnetz für die Energiewende

Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien stehen die nationalen Stromnetze vor großen Herausforderungen. Sie müssen komplett neu gedacht werden, da die bisherige, zentrale Verteilung nicht mehr funktioniert. Denn stark schwankende Stromproduktion durch Sonnen- und Windenergie sorgt für eine ungleich verteilte Last. Bei viel Wind und Sonne steigt die Stromproduktion, bleiben die Naturkräfte hingegen aus, schrumpft das Angebot und kann womöglich der Nachfrage der Verbraucher nicht gerecht werden.

Hier setzten bisherige Überlegungen an. Ein intelligentes Stromnetz soll die Nachfrage flexibel an das wechselnde Angebot anpassen können. In der Praxis bedeutet das: Wird gerade viel Strom produziert, arbeiten energieintensive Geräte wie Kühl- und Gefrierschrank oder Waschmaschine auf Hochtouren. Der Ansatz ist nicht neu, bislang war es jedoch schwierig, die Theorie in die Praxis umzusetzen.

Denn wie soll die Information, wie viel Strom aktuell verfügbar ist, die Geräte der Verbraucher erreichen? Genau auf diese Frage fanden jetzt Forscher aus Großbritannien eine Antwort. Ihnen gelang es, neben Strom auch Daten über landesweite Netze zu übertragen. Damit konnten sie beweisen, dass das bislang nur theoretische Konzept durchaus praxistauglich ist. Bei ihrem Test wurden Daten an zwanzig verschiedene Empfänger übermittelt, einhundert Prozent der versandten Daten erreichten ihr Ziel.

 

Britische Forscher testen das „Smart Grid“

Britische Forscher testen das „Smart Grid“

 

Effizientere Stromnutzung, sinkende Kosten

Um auf die schwankende Stromproduktion der erneuerbaren Energien zu reagieren, verwandelten die Forscher das landesweite Stromnetz also in eine Art smarten Stromzähler. Das Netz selbst weiß um die angebotene Strommenge und kann über die Nachfrage der Geräte für eine effiziente Nutzung der vorhandenen Energiemenge sorgen.

Schon heute ist in vielen Kühlschränken ein Modus zum Stromsparen, beispielsweise während der Urlaubstage, integriert. Eine ähnliche Funktion könnte in Zeiten geringer Stromproduktion aktiviert werden: Der Kühlschrank reduziert seine Leistung und senkt die Temperatur bei einem Stromüberangebot wieder um 0,5 °C ab. Für den Verbraucher bleibt der Kühleffekt der gleiche, doch die Strom- und Kostenersparnis eines solch intelligenten Verhaltens wären auf Bundesebene gesehen enorm. Schließlich muss der Effekt auf alle Verbraucher landesweit hochgerechnet werden. Eine kleine Reduktion der Leistung bei einzelnen Geräten bedeutet dann einen enormen Rückgang des Gesamtstromverbrauchs.

 

Smart Grid soll fossile Energien ersetzen

In Großbritannien wurden die Auswirkungen eines intelligenten Stromnetzes auf den Geldbeutel der britischen Haushalte von der National Infrastructure Comission errechnet. Glaubt man ihren Schätzungen, würde der Einsatz smarter Technik ein Einsparungspotenzial von jährlich zehn Milliarden US-Dollar bedeuten. Neben dem finanziellen Vorteil für Endkunden steht die Umsetzung langfristiger, energiepolitischer Ziele.

Intelligente Stromnetze würden den Einsatz von Generatoren, die mit fossiler Energie betrieben werden, überflüssig machen. Sie wurden bislang dafür genutzt, die durch die erneuerbaren Energien verursachten Schwankungen in der Stromproduktion aufzufangen und hohe Nachfrage zu decken. Die neue Technik ist ein weiterer Baustein auf dem Weg hin zu einer klimafreundlicheren Stromproduktion, die auf fossile Brennstoffe weitestgehend verzichten kann. Mit dem Test der Forscher zeigte sich außerdem, dass die Energiewende nicht mit großen Investitionen verbunden sein muss. Datenübertragung nach britischem Vorbild ließe sich ohne größere Umbauten in den vorhandenen Stromnetzen realisieren.

Quelle: Scientists just transmitted data across a national electricity grid for the first time | Inhabitat – Green Design, Innovation, Architecture, Green Building

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