Im Interview: Energieversorger Polarstern über den Öko-Lifestyle mit Smart Home

Polarstern ist ein etwas anderer Energieversorger, gegründet im Sommer 2011 von Florian Henle, Jakob Assmann und Simon Stadler. Ihr Antrieb: Mit Energie die Welt verändern. Wie sie das erreichen wollen und welche Bedeutung Smart Home dabei in ihren Augen hat, dazu haben wir mit den Polarstern-Gründern gesprochen.

 

Die Gründer von Polarstern. v.l.n.r.: Simon Stadler, Jakob Assmann, Florian Henle

Die Gründer von Polarstern. v.l.n.r.: Simon Stadler, Jakob Assmann, Florian Henle

 

1. Was bietet Polarstern seinen Kunden in Bezug auf ein komfortables und zugleich energiebewusstes Leben?

Wir haben Polarstern gegründet, weil wir jedem Verbrauchern und jedem Unternehmen die Möglichkeit geben wollen, die weltweite Energiewende glaubwürdig zu unterstützen. Und das Ganze so einfach und so wirkungsvoll wie möglich: Sie müssen nur drei Fragen beantworten und schon beziehen sie künftig Strom und/oder Gas komplett aus erneuerbaren Energien.

Sie können also in fünf Minuten ihren ganzen Energieverbrauch daheim auf erneuerbare Beine umstellen. Ihre Entscheidung für ein Ökoenergieprodukt ist für uns aber nur der erste Schritt. Mit verschiedenen Anregungen für ihren Alltag motivieren wir sie, allgemein bewusster mit Energie umzugehen. Einfach weil es Spaß macht und zum Lifestyle passt. Dabei ist beispielsweise Smart Home ein sehr wichtiger Ansatz.

 

2. Wie schätzen Sie das Smart Home-Potenzial ein und wo liegen die Vorteile für Verbraucher?

Smart Home hat ein großes Potenzial in Sachen Energiesparen. Das liegt unter anderem daran, dass sich die Verbraucher immer schwerer tun, Energie zu sparen. Smart Home-Lösungen, die ihnen oft vergessene Routine-Handlungen wie beispielsweise regelmäßiges Lüften, Licht Ausschalten oder Rollläden Schließen abnehmen, sind daher sehr wirkungsvoll. Smart Home hilft so den energiesparmüden Verbrauchern, Energie zu sparen.

Mit einer intelligenten Heizungssteuerung lassen sich beispielsweise derzeit im Schnitt bis zu 30 Prozent der Heizkosten sparen. Aber auch automatischen Rollladensteuerung und eine intelligente Wohnraumlüftung sind nützlich, um den Energieverbrauch spürbar zu senken.

Insgesamt schätze ich, dass mit dem Einsatz der heute verfügbaren Smart Home-Lösungen im Strom- und im Wärmebereich bis zu rund die Hälfte der Energiekosten im Haushalt gespart werden kann.
Smart Home ist aber auch aus einem anderen Grund sehr wirkungsvoll, wenn es um’s Energiesparen geht: Es fördert den spielerischen Umgang mit Energie – gerade in Verbindung mit Smart Meter. Energiebewusstes Verhalten rutscht so auf unsere tägliche Agenda.

 

3. Smart Home soll Energie sparen. Warum fördert das ein Energieunternehmen wie Polarstern?

Ganz einfach, weil es uns darum geht, möglichst viele zufriedene Kunden zu haben und nicht nur möglichst viele Kilowattstunden zu verkaufen. Und weil ein „weiter so“ angesichts des steigenden Energieverbrauchs, schrumpfender fossiler Ressourcen und den Folgen für Umwelt und Klima nicht funktioniert. Sich da aus der Verantwortung zu ziehen und wegzuducken geht auf die eigene Zukunft. Mit Polarstern wollen wir den Weg in die gemeinsame Energiezukunft gestalten.

 

4. Beabsichtig Polarstern in ähnliche Smart Home-Lösungen wie z. B. RWE zu investieren? Wo liegen Ihrer Meinung nach die Vor- und Nachteile einer eigenen Lösung?

Wir sind ein Ökoenergieversorger. Unser Ziel ist es, unseren Kunden Möglichkeiten zu bieten, ein Energie bewusstes Leben zu führen. Dazu arbeiten wir mit Partnern in verschiedenen Bereichen zusammen. Eigene IT-Lösungen planen wir derzeit nicht. Da gibt es Experten, die auf IT-Seite stärker sind. Mit ihnen arbeiten wir intensiv zusammen. Wir wollen die größtmögliche Wirkung erzielen – nicht die Hoheit über alle Lösungen haben. Statt Angebote einzelner Unternehmen und Insellösungen setzen wir auf Zusammenarbeit. Wir unterstützen gute Ideen und Ansätze im Markt. Zusammenarbeit bei Smart Home ist genauso wie beim großen Ziel der Energiewende entscheidend. Nur gemeinsam können wir das packen.

 

Simon und Jakob von Polarstern-Energie begutachten die Zuckerrübenschnitzel-Verarbeitung

Simon und Jakob begutachten die Zuckerrübenschnitzel-Verarbeitung

 

5. Ökoenergie befürworten wohl fast alle Menschen, aber viele denken, dass Öko automatisch teurer ist. Wie sehen die Tatsachen aus?

Ökoprodukte sind längst nicht mehr per se teurer. Unser Wirklich Ökostromprodukt aus 100 Prozent deutscher Wasserkraft ist sogar im Schnitt rund drei Prozent günstiger als der Grundversorgertarif. Und sogar beim Ökogas sind wir mit unserem Wirklich Ökogasprodukt aus 100 Prozent organischen Reststoffen teilweise gleichauf mit dem rein fossilen Grundversorgertarif.

Das Problem sind in unseren Augen auch weniger die Kosten – hier können Ökoprodukte durchaus mit anderen Angeboten mithalten. Das Schlimme ist vielmehr, dass öko heute nicht automatisch wirklich öko ist. Da wird viel „Schmarrn“ gemacht, wie wir in Bayern sagen (Anmerkung der Redaktion: Polarstern sitzt in München, beliefert aber deutschlandweit). Kaum ein Öko- oder Biogasprodukt in Deutschland basiert beispielsweise auf rein erneuerbaren Energien so wie es bei uns der Fall ist. Da werden – selbst in Vergleichsportalen – oft Äpfel mit Birnen verglichen. Und das zulasten der Verbraucher, die eigentlich mit ihrer Entscheidung für Ökoenergie die Energiewende wirklich fördern wollen.

 

6. Wo unterscheidet sich Polarstern von anderen Stromanbietern?

Im Unterschied zu anderen Energieversorgern steht das Ziel, die weltweite Energiewende, bei uns im Mittelpunkt. Wir verstehen uns als Social Business. Das heißt, wir schauen stärker auf die Wirkung als auf den Profit. Die ökologische, die ökonomische und die soziale Rendite sind für uns gleich wichtig. Das fängt schon damit an, dass wir ausschließlich Ökostrom und Ökogas aus rein erneuerbaren Energien anbieten. Da machen wir keine Ausnahme – so wie es andere Energieversorger tun. Gerade im Wärmemarkt sind ehrliche Ökogasangebote eine Seltenheit. Die meisten haben nur einen kleinen Ökogasanteil, die Mehrheit ist fossiler Art. Dabei entfallen auf Heizung und Warmwasser in den privaten Haushalten fast 80 Prozent ihres Energieverbrauchs.

 

7. Warum engagieren Sie sich auch in Kambodscha? Wie kamen Sie auf das Projekt?

Wir sind überzeugt, dass die Energiewende nur weltweit funktionieren kann – und nationale Insellösungen keinen Sinn machen. Deshalb haben wir uns umgesehen, wie wir die weltweite Energiewende ganz konkret unterstützen können. Und so kam es, dass wir seit unserer Gründung für jeden Kunden pro Jahr eine Familie aktuell in Kambodscha beim Bau ihrer eigenen Mikro-Biogasanlage unterstützten.

Handeln statt reden – dieser Devise sind wir treu und erzielen vor Ort für die Menschen direkt sicht- und spürbar eine große Wirkung. Auf das Projekt selbst sind wir über einen Partner von uns gestoßen, der die Initiatoren in Kambodscha über ein Audit kannte.

 

8. Was hält Polarstern von dynamischen Stromtarifen? Wie sieht die momentane rechtliche Situation aus?

Ehrlich gesagt ist das einer unserer Wunschträume. Transparente Echtzeit-Beschaffungspreise an unsere Kunden weiterzugeben, würde ihnen helfen, selbst zu entscheiden, wann sie Strom verbrauchen wollen. Denn bewusst und aktiv mit seinem Stromverbrauch umgehen, das ist wie gesagt ein wichtiger Ansatz, um den eigenen Energieverbrauch zu senken und Angebot und Nachfrage über den Markt näher zueinander zu bringen. Dass wir heute noch nicht so weit sind, hat sowohl regulatorische als auch energiewirtschaftliche Gründe. Die Art, wie wir aktuell unsere Stromnetze steuern, ist dabei wahrscheinlich das größte Trägheitsmoment.

 

Fazit

Wir freuen uns, dass es Energieversorger wie Polarstern gibt, mit denen wir an einem Strang ziehen. Es macht Spaß, gemeinsam die Vorteile von Smart Home-Lösungen beim Energiesparen herauszuarbeiten und Lösungen zu aufzuzeigen. Zusammen sind wir stark.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite von Polarstern-Energie

 

 

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