Li-Fi (Light Fidelity): Mit Glühbirnen in Lichtgeschwindigkeit online gehen?

Ist die Glühbirne die Zukunft des drahtlosen Internets? Dies glaubt zumindest das indische Start-Up Velmenni, das es sich zum Ziel gesetzt hat, die Geschwindigkeit von Netzwerken deutlich zu erhöhen. Dafür wird eine Technologie genutzt, für die der Deutsche Harald Haas, der an der University of Edinburgh arbeitet, im Jahr 2011 den Namen Li-Fi (Light Fidelity) geprägt hat. Er orientierte sich dabei an dem bekannten Wi-Fi. Alternativ wird auch von „Visible Light Communication“ (VLC) gesprochen.

 

Li-Fi (Light Fidelity) Zone Technologie Logo

Li-Fi Zone (Light Fidelity) Technologie Logo @wikimedia.org

 

So funktioniert Li-Fi

Statt über Funk werden Daten via Li-Fi durch optische Signale übertragen. Theoretisch lassen sich dadurch gigantische Übertragungsraten erreichen. In einem Laborversuch in Oxford wurde ein Speed von bis zu 224 Gigabit pro Sekunde erreicht. Filme könnten praktisch sofort komplett über das Internet gestreamt werden.

Velmenni will das, was bislang nur im Labor funktionierte, nun alltagstauglich machen. Hier hofft man, eine Geschwindigkeit von bis zu einem Gigabyte pro Sekunde zu erreichen. Hierfür sollen die Daten über extrem schnell blinkende LED-Lampen übertragen werden. Die Blinkfrequenz ist so hoch, dass sie für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar ist. Sensoren am Empfangsgerät nehmen die Daten auf und verarbeiten sie. Die Übertragung erfolgt praktisch mit Lichtgeschwindigkeit und wird nur von den Begrenzungen der Hardware limitiert.

Ein weiterer Vorteil von Li-Fi ist der Umstand, dass zahlreiche Lichtfrequenzen zur Verfügung stehen. Die Übertragungsraten bleiben deshalb konstant hoch, da zahlreiche Übertragungskanäle zur Verfügung stehen. Darüber hinaus ist das System sicher, da es Lauscher aussperrt. Wer wissen möchte, welche Daten übertragen werden, muss die optischen Signale schon sehen.

Li-Fi bietet Schutz vor Lauscher

 

 

Der Nachteil von Li-Fi

Das Li-Fi Konzept hat eigentlich nur einen großen Nachteil: Sichtkontakt zwischen Sender und Empfänger ist für ein Funktionieren des Systems unerlässlich. In den heimischen vier Wänden – beispielsweise für die Smart Home-Vernetzung – ließe sich dies wohl noch lösen. Haas regte beispielsweise an, dass man in jede Glühbirne eigentlich nur einen Mikrochip einbauen müsste, um sie zum Sender zu machen. Über große Strecken scheint Li-Fi allerdings bislang kaum praktikabel. Ortsfeste Empfangs- und Sendestationen, die trotzdem irgendwann auf die „klassischen“ Wege der Datenübertragung zurückgreifen müssen, wären hierzu unerlässlich.

 

Geschwindigkeitsunterschied Wi-Fi, Li-Fi, IrDA, WiGig, Giga-IR

Li-Fi und Wi-Fi Geschwindigkeit @ wikimedia.org

 

Fazit: Li-Fi verspricht auf kurze Wege eine Revolution

Die Bandbreiten, die im Laborversuch via Li-Fi erreicht wurden, werden auf kurze und mittlere Sicht nicht für private Konsumenten zur Verfügung stehen. Das indische Start-Up hat nicht umsonst nur etwa ein Zehntel des Speeds zum Ziel ausgerufen. Insbesondere über große Distanzen wird Li-Fi aufgrund des Problems des Sichtkontakts erst einmal kein Thema werden. Über kurze Distanzen könnte das Verfahren aber tatsächlich eine Revolution bedeuten. Private Nutzer werden sich jedoch zumindest kurzfristig bestenfalls mit kleinen Teasern wie z.B. einer deutlich optimierten Smart Home-Steuerung begnügen müssen. Es mangelt noch an der passenden Hardware für Li-Fi. Mittelfristig birgt die Idee aber ein gewaltiges Potenzial – insbesondere auch für die Vernetzung von Autos und anderen Verkehrsmitteln, die als Sender und Empfänger zugleich dienen könnten.

 

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