Smart-Metering: Eingriff in die Privatsphäre oder intelligentes Stromsparen?

Ein Doppelinterview mit einem Befürworter und einem Skeptiker

In der Umsetzung der dritten EU-Binnenmarktrichtlinie aus dem Jahr 2009, der Ausstattung von mindestens 80 % der Nutzer elektrischer Energie mit intelligenten Messsystemen anstatt herkömmlicher Stromzähler bis zum Jahr 2020, beschloss das deutsche Bundeskabinett das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende. Dieser Beschluss fiel am 4. November 2015, das dazugehörige Gesetzgebungsverfahren soll seinen Abschluss bis zum Mai 2016 erfahren. Die Umsetzung beginnt im Januar 2017, wobei zuerst Verbraucher mit einem Bedarf von über 10.000 kWh sowie Stromerzeuger mit einer Leistung ab 7 kW mit intelligenten Messsystemen ausgestattet werden. Im nächsten Schritt, der ab dem Jahr 2020 erfolgt, sollen dann alle weiteren Verbraucher und Stromerzeuger entsprechende Messgeräte erhalten.

Zu diesem Gesetz, das in den Medien als Smartmeter Pflicht oder Smartmetering bekannt wurde, bestehen verschiedene Bedenken, die sich vor allem auf die Datenfernübertragung beziehen. Der Gesetzgeber hat bereits in den einzelnen Paragrafen des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende bezüglich der Datenfernübertragung Untergrenzen gesetzt. So wird eine Datenfernübertragung nur bei den Leistungsgrößen vorgenommen, die in den Jahren von 2017 an ein intelligentes Messsystem erhalten, also bei Verbrauchs- und Erzeugungswerten von über 10.000 kWh oder 7 kW und bei entsprechender gegenseitiger Vertragsregelung zwischen Messstellenbetreiber und Kunde. Wer weniger als 6000 kWh im Jahr verbraucht, ist von der Datenfernübertragung ausgeschlossen. Dies betrifft in Deutschland mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 3500 kWh die weitaus meisten Haushalte.

Der Hintergrund zur EU-Binnenmarktrichtlinie und dem daraus abgeleiteten Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende ist die durch intelligente Messsysteme mögliche Erfassung der Stromverbräuche im Einzelnen, bezogen sowohl auf den jeweiligen Tageszeitpunkt wie auch die Art des Verbrauchs. Daraus können einerseits Schlussfolgerungen bezüglich der Verbrauchsschwankungen gezogen werden und damit die inzwischen stark gemischte Stromerzeugung besser gesteuert und andrerseits das Verbrauchsverhalten des Kunden sensibilisiert werden.

 

Ein Smart Meter für das intelligente Zuhause

Ein Smart Meter für das intelligente Zuhause

 

Die Statements der Experten

Die bereits erwähnten Kritikpunkte bezüglich der Datenerfassung und deren automatischen Übertragung wurden in einem Interview von zwei Fachleuten zu diesem Thema erläutert.
Prof. Dr.-Ing. Ulrich Greveler, Professor für angewandte Informatik an der Hochschule Rhein-Waal sowie Dr. Michael Schmidt, Geschäftsführer der RWE Metering GmbH, legten hierzu ihre unterschiedlichen oder gegensätzlichen Standpunkte dar.

Als Geschäftsführer des maßgeblichen Produzenten der Messstellensysteme befürwortet Dr. Michael Schmidt die Möglichkeiten der Datenfernübertragung. Prof. Dr.-Ing. Ulrich Greveler sieht den Einsatz der Übertragung solch vielfältiger Daten hingegen kritisch.

Auf die Frage des Interviewers, wie beide Experten denn einem Laien das System des Smart-Meters erklären würden und welche Vorteile der Kunde gegenüber einem herkömmlichen Stromzähler erwarten kann, antwortete Dr. Michael Schmidt, das zum einen die Fertigung herkömmlicher Stromzähler nach dem Ferraris-Prinzip seit Ende des Jahres 2015 eingestellt ist und die neuen, intelligenten Zähler dem Kunden die Möglichkeit bieten, die verschiedenen auf dem Markt angebotenen Stromtarife besser nutzen zu können. Gleichzeitig erhält der Kunde detaillierte Informationen zum eigenen Stromverbrauch und kann so sein persönliches Verbrauchsverhalten selbst beeinflussen.

Genau diese detaillierte Erfassung des Stromverbrauchs sieht wiederum Prof. Dr.-Ing. Ulrich Greveler als problematisch an, wenn diese regelmäßig an die Messstellenbetreiber übermittelt werden, denn dadurch kann über eine Auswertung ein sehr exaktes Nutzerprofil des Kunden angelegt werden. Die so aufbereiteten Daten könnten zum Missbrauch durch Unternehmen führen, die mit dem Messstellenbetreiber geschäftlich verbunden sind.

Mit diesem zu Dr. Schmidts Auffassung konträren Standpunkt trägt Prof. Greveler der Sorge Rechnung, dass eine so flächendeckende und detaillierte Datenerhebung im Privatbereich des Kunden Gefahren birgt, die nur schwer zu kontrollieren sind.

Dem entgegnet Dr. Schmidt in der Weise, das eine automatische Datenfernübertragung nur einen sehr kleinen Teil der Verbraucher betrifft, die jedoch einen hohen Stromverbrauch aufweisen und damit massiv zu den Lastspitzen beitragen, die gerade im heute bestehenden Strom-Mix aus erneuerbaren und konventionellen Stromerzeugern problematisch sind.

Herr Dr. Schmidt sieht die Sicherheitseinrichtungen, die im Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende implementiert sind, als ausreichend an, um einen Datenmissbauch zu verhindern.

Aus der Sicht von Prof. Greveler besteht genau hier durchaus Anlass zur Sorge, da im Gesetz eine nur unzureichende Sanktionierung bei Datenmissbrauch vorgesehen ist.

In der letzten Frage des Interviewers zu diesem Thema ging es darum, ob die Befürchtung von Verbraucherschützern berechtigt ist, das der Einbau und der Betrieb der Smart-Meter eher der Wirtschaft als dem Verbraucher nützen werden.

Hier zeigten beide Interviewpartner trotz ihrer eigentlich gegensätzlichen Positionierung eine gewisse Annäherung, wobei Prof. Greveler darauf hinweist, das der Kunde oder Verbraucher den Nutzen oder den Vorteil des Smart-Meters zuerst nicht erkennen wird, zumal dann, wenn die entstehenden Kosten nicht im Verhältnis zum Nutzen stehen.

Das Interview finden Sie auf der Webseite von Haus-XXL

 

Ähnliche Beiträge

Antworten